Wer beim Wocheneinkauf nach Schnäppchen sucht, greift gerne zu Sonderangeboten. Besonders bei Wurstwaren wie Salami locken leuchtende Preisschilder mit vermeintlich günstigen Angeboten. Doch hinter der bunten Werbeaufmachung verbirgt sich oft eine raffinierte Preisstrategie, die Verbrauchern mehr Geld aus der Tasche zieht als gedacht. Tatsächlich zeigen Studien, dass 47 Prozent der deutschen Konsumenten beim Einkaufen immer die günstigste verfügbare Option wählen, während 38 Prozent sich zu Impulskäufen verleiten lassen, wenn sie Produkte im Angebot sehen. Das Problem liegt nicht in der Qualität des Produkts, sondern in der geschickten Manipulation durch Portionsgrößen, die den tatsächlichen Kilopreis verschleiern.
Die Psychologie hinter reduzierten Portionsgrößen
Supermärkte wissen genau, wie Kaufentscheidungen fallen. Ein Preis von 1,99 Euro wirkt auf den ersten Blick attraktiver als 2,49 Euro – selbst wenn die günstigere Packung deutlich weniger Inhalt bietet. Bei Salami werden häufig kleinere Packungseinheiten als Sonderangebot präsentiert, während größere Packungen zum regulären Preis angeboten werden. Der absolute Preis sinkt, doch der tatsächliche Kilopreis kann dabei steigen.
Diese Strategie nutzt gezielt die menschliche Neigung, absolute Zahlen stärker wahrzunehmen als relative Werte. Die Wissenschaft spricht hier vom sogenannten Portionsgrößeneffekt: Menschen neigen dazu, die bereitgestellte Menge als ausreichend wahrzunehmen und diese komplett zu verzehren oder zu kaufen, ohne den tatsächlichen Wert kritisch zu hinterfragen. Größere Portionen führen automatisch zu einer höheren Nahrungsaufnahme, ohne dass man davon viel mitbekommt. Beim Einkauf funktioniert dieser psychologische Mechanismus ähnlich: Verbraucher vergleichen instinktiv die Preisschilder, nicht aber die tatsächliche Menge pro Euro.
Eine Studie von Cancer Research UK zeigt die Auswirkungen dieses Verhaltens deutlich: In der Gruppe der intensiven Schnäppchenjäger waren 72 Prozent übergewichtig, während dieser Anteil in der Gruppe mit wenigen Angebotskäufen bei 64 Prozent lag. Die Wahrscheinlichkeit für Adipositas war bei Schnäppchenjägern um 28 Prozent erhöht. Man zahlt also nicht nur mehr für weniger, sondern kauft oft auch Mengen, die man eigentlich nicht benötigt.
Wo sich irreführende Portionsgrößen verstecken
Die Täuschung funktioniert besonders gut bei Produkten, die in verschiedenen Verpackungsgrößen angeboten werden. Bei Salami finden sich im Kühlregal oft mehrere Varianten nebeneinander, deren Preisgestaltung auf den ersten Blick kaum zu durchschauen ist. Kleinere Aktionspackungen werden mit auffälligen Werbeschildern versehen und scheinen das beste Angebot zu sein. Größere Standardpackungen oder Familienpackungen stehen daneben, wirken teurer und werden deshalb häufig übersehen.
Das Kleingedruckte entlarvt die Wahrheit
Händler müssen den Grundpreis pro Kilogramm oder 100 Gramm auf dem Preisschild ausweisen. Diese gesetzliche Verpflichtung existiert bereits seit einigen Jahren und soll Verbrauchern helfen, Preise transparent zu vergleichen. Ein Landgericht Düsseldorf hat Discounter sogar zur Angabe des 30-Tage-Bestpreises bei Werbeaktionen verpflichtet, was die rechtliche Bedeutung der Preistransparenz unterstreicht.
Allerdings ist diese Information oft in winziger Schrift gedruckt, farblich unauffällig gestaltet oder an einer Stelle angebracht, die beim schnellen Einkauf übersehen wird. Verbraucherschutzorganisationen wie Foodwatch bemängeln seit Jahren diese mangelnde Transparenz der Unternehmen. Wer sich die Mühe macht und genau hinschaut, erlebt nicht selten eine Überraschung: Die Aktionspackung kann umgerechnet deutlich teurer sein als die größere Standardpackung zum regulären Preis.
Diese Differenz summiert sich über das Jahr gewaltig. Wer regelmäßig zu den vermeintlich günstigeren Kleinpackungen greift, zahlt bei nur einem einzigen Produkt schnell mehrere Dutzend Euro mehr pro Jahr.
Warum diese Praktik rechtlich problematisch ist
Grundsätzlich dürfen Händler ihre Preise frei gestalten und verschiedene Packungsgrößen zu unterschiedlichen Kilopreisen anbieten. Die Grenze zur Irreführung wird jedoch überschritten, wenn durch die Gestaltung der Werbung, die Platzierung oder die Aufmachung bewusst ein falscher Eindruck erweckt wird. Wenn ein Sonderangebot suggeriert, dass Verbraucher Geld sparen, sie aber tatsächlich mehr bezahlen, kann dies gegen das Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb verstoßen.

Verbraucherzentralen und Organisationen wie Foodwatch haben bereits mehrfach auf diese Praktiken hingewiesen und Beschwerden dokumentiert. Foodwatch kritisiert besonders, dass Preissenkungen sich überwiegend auf ungesunde Lebensmittel konzentrieren und Rabatten für Süßigkeiten, Snacks und alkoholische Getränke bevorzugen. Die Organisation hat Preissenkungen bei großen Einzelhandelsketten analysiert und bemängelt, dass große Handelsketten mangelnde Transparenz bei konkreten Preissenkungen zeigen. Das Problem: Solange der Grundpreis irgendwo auf dem Preisschild steht, bewegen sich Händler formal im legalen Rahmen. Die ethische Frage bleibt dennoch bestehen.
So schützen Sie sich vor der Portionsgrößen-Falle
Der Grundpreis-Check wird zur Gewohnheit
Die effektivste Methode, nicht auf irreführende Portionsgrößen hereinzufallen, ist simpel: Vergleichen Sie immer den Grundpreis pro Kilogramm oder 100 Gramm. Nehmen Sie sich beim Einkauf die zusätzlichen fünf Sekunden Zeit, diese Information zu suchen und zu vergleichen. Bei Salami und anderen Wurstwaren lohnt sich dieser Blick besonders, da hier unterschiedliche Packungsgrößen oft nebeneinander im Regal stehen.
Die Smartphone-Rechner-Methode
Wenn der Grundpreis nicht gut lesbar ist oder Sie zwischen verschiedenen Packungsgrößen verschiedener Produkte vergleichen möchten, hilft der Taschenrechner des Smartphones. Teilen Sie einfach den Preis durch das Gewicht in Kilogramm. Diese Rechnung dauert wenige Sekunden und schützt vor teuren Fehlkäufen. Mit etwas Übung entwickeln Sie ein Gefühl dafür, welche Packungsgröße üblicherweise den besten Wert bietet.
Vorsicht bei Mehrfachkäufen
Besonders tückisch sind Angebote wie „3 für 2“ oder „2 zum Preis von 1,5“ bei kleinen Packungen. Auch hier rechnet sich der Vergleich mit größeren Einzelpackungen oft zugunsten letzterer. Die psychologische Wirkung von Mengenrabatten ist stark, doch rechnerisch führen sie bei reduzierten Portionsgrößen häufig zu keinem Vorteil. Zudem kauft man dadurch oft mehr, als man tatsächlich benötigt oder verbrauchen kann.
Was sich ändern muss
Verbraucherschützer fordern seit Jahren klarere Regelungen für die Darstellung von Sonderangeboten. Foodwatch setzt sich konkret für ein Ende der Mehrwertsteuer auf Obst, Gemüse und Hülsenfrüchte ein, um gesunde Lebensmittel erschwinglicher zu machen. Die Organisation betont, dass gesunde Ernährung kein Luxus bleiben darf und Billigpreise für Junkfood der falsche Weg sind.
Weitere Forderungen umfassen bessere Sichtbarkeit der Grundpreis-Angabe auf Preisschildern, mehr Transparenz bei Preissenkungen und Aktionsangeboten sowie strengere Kontrollen bei irreführender Werbung. Einige Händler haben nach öffentlichem Druck begonnen, die Grundpreis-Information deutlicher zu gestalten. Dies geschieht jedoch nicht flächendeckend und bleibt oft hinter den Erwartungen zurück. Große Ketten wie Aldi, Lidl, Edeka und Rewe stehen besonders in der Kritik, mehr Transparenz zu schaffen.
Der bewusste Umgang mit Sonderangeboten
Sonderangebote sind nicht grundsätzlich schlecht. Viele Aktionen bieten tatsächlich echte Ersparnisse. Der Schlüssel liegt im kritischen Hinterfragen und systematischen Vergleichen. Bei Salami und anderen Wurstprodukten empfiehlt sich der Blick auf den Grundpreis, bevor man zur vermeintlich günstigsten Option greift. Wer die Ware innerhalb des Haltbarkeitsdatums verbrauchen kann oder sie einfrieren möchte, fährt mit größeren Packungen oft deutlich besser.
Die bewusste Entscheidung gegen vermeintliche Schnäppchen erfordert zunächst etwas Übung und Zeit. Nach wenigen Einkäufen wird der Grundpreis-Vergleich jedoch zur Routine, die kaum noch zusätzlichen Aufwand bedeutet. Die Ersparnis über das Jahr gerechnet ist erheblich und rechtfertigt die kleine Mühe allemal. Gleichzeitig vermeidet man, mehr zu kaufen als nötig und trägt so zu weniger Lebensmittelverschwendung bei.
Wer informiert einkauft und die richtigen Vergleichswerte kennt, wird nicht nur beim Kauf von Salami, sondern bei zahllosen Produkten im Supermarkt besser abschneiden. Der mündige Verbraucher, der den Grundpreis im Blick behält und sich nicht von bunten Werbeschildern blenden lässt, schützt sich am besten vor irreführenden Verkaufsstrategien. Die Zahlen sprechen für sich: Wenn 47 Prozent der Deutschen immer nach der günstigsten Option suchen, sollten sie auch sicherstellen, dass sie diese tatsächlich finden.
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