Während Europa im Januar in Kälte und Dunkelheit versinkt, pulsiert an der karibischen Küste Kolumbiens eine Stadt voller Farben, Geschichte und Leben. Cartagena de Indias empfängt Alleinreisende mit offenen Armen und verspricht Abenteuer, die weit über das gewöhnliche Touristenerlebnis hinausgehen. Der Januar ist perfekt für einen Besuch: Die Regenzeit ist vorbei, die Temperaturen bleiben angenehm warm bei etwa 30 Grad, und die Stadt zeigt sich von ihrer besten Seite. Für budgetbewusste Reisende, die allein unterwegs sind, bietet Cartagena eine seltene Kombination aus authentischen Erfahrungen und erschwinglichen Preisen – vorausgesetzt, man weiß, wo man suchen muss.
Die Altstadt: Wo Geschichte auf Lebendigkeit trifft
Das historische Zentrum von Cartagena wirkt wie eine Kulisse aus einem Roman über Piraten und Kolonialzeiten. Hinter den massiven Stadtmauern aus dem 16. Jahrhundert verbergen sich verwinkelte Gassen mit pastellfarbenen Häusern, deren Balkone mit Bougainvillea überwuchert sind. Als Alleinreisender hat man hier den Vorteil, im eigenen Tempo durch die Straßen zu schlendern und sich treiben zu lassen.
Die Altstadt gliedert sich in mehrere Viertel, jedes mit eigenem Charakter. San Diego wirkt etwas ruhiger und authentischer als das touristischere Centro, während Getsemaní – einst das Arbeiterviertel – heute zum angesagtesten Stadtteil geworden ist. Hier treffen sich Backpacker aus aller Welt in kleinen Cafés, Street-Art ziert nahezu jede Hauswand, und abends verwandeln sich die Straßen in eine Open-Air-Party.
Was man erleben sollte
Der Spaziergang auf den Stadtmauern bei Sonnenuntergang gehört zu den Höhepunkten jedes Cartagena-Besuchs. Während die Sonne über dem karibischen Meer versinkt und den Himmel in Orange- und Rottöne taucht, versammeln sich Einheimische und Reisende auf den breiten Mauern. Straßenverkäufer bieten frisches Obst und Getränke an – eine kleine Tüte geschnittene Mango mit Limone und Salz kostet etwa einen Euro.
Das Castillo San Felipe de Barajas thront majestätisch über der Stadt und gilt als größte spanische Festung in Amerika. Der Eintritt liegt bei ungefähr 8 Euro, und die Investition lohnt sich: Das Tunnelsystem im Inneren ist faszinierend, und von oben hat man einen spektakulären Blick über die gesamte Stadt. Am besten besucht man die Festung früh am Morgen, bevor die Hitze des Tages einsetzt und die Touristenbusse ankommen.
Für Alleinreisende bietet Cartagena zahlreiche Möglichkeiten, andere Menschen kennenzulernen. In Getsemaní finden regelmäßig kostenlose Tanzstunden auf öffentlichen Plätzen statt – von Salsa über Cumbia bis hin zu Champeta, dem lokalen Musikstil. Niemand erwartet perfekte Schritte, und die entspannte Atmosphäre macht es leicht, ins Gespräch zu kommen.
Strände und Inseln
Die Strände direkt in Cartagena sind überlaufen und nicht besonders einladend. Die wahren karibischen Traumstrände liegen auf den vorgelagerten Inseln. Playa Blanca auf der Isla Barú erreicht man mit öffentlichen Booten für etwa 10 Euro hin und zurück – deutlich günstiger als die organisierten Touren. Der weiße Sand und das türkisfarbene Wasser entschädigen für die Anfahrt, auch wenn der Strand selbst mittlerweile kein Geheimtipp mehr ist.
Eine interessantere Alternative für Alleinreisende sind die Islas del Rosario. Statt der teuren Pauschalausflüge kann man am Hafen mit lokalen Bootsfahrern verhandeln. Wer Geduld hat und sich mit anderen Reisenden zusammentut, kommt für etwa 20 Euro pro Person hin und zurück. Auf den Inseln gibt es einfache Strandbars, wo ein frischer Fisch mit Reis und Patacones (gebratene Kochbananen) etwa 8 Euro kostet.
Praktische Tipps für die Fortbewegung
Innerhalb der Altstadt bewegt man sich am besten zu Fuß. Das Viertel ist kompakt und die meisten Sehenswürdigkeiten liegen nah beieinander. Für weitere Strecken bieten sich Busse an – eine Fahrt kostet umgerechnet etwa 60 Cent. Die Busse sind nicht immer komfortabel, aber sie sind authentisch und bringen einen überall hin.
Taxis sind erschwinglich, allerdings sollte man als Alleinreisender immer vor der Fahrt den Preis verhandeln oder auf Apps setzen, die Festpreise anbieten. Eine Fahrt vom Flughafen in die Altstadt sollte nicht mehr als 6-7 Euro kosten. Nachts ist ein Taxi die sicherste Option, besonders wenn man allein unterwegs ist.

Für Ausflüge in die Umgebung eignen sich die Minivans, die vom Busbahnhof abfahren. Nach Cartagena selbst kommt man vom Terminal de Transportes, der etwa 30 Minuten außerhalb der Altstadt liegt. Von hier fahren günstige Verbindungen in alle Ecken Kolumbiens.
Günstig übernachten
Getsemaní ist für Alleinreisende mit kleinem Budget das perfekte Viertel. Hier reihen sich Hostels aneinander, und die Atmosphäre ist gesellig ohne aufdringlich zu sein. Ein Bett im Mehrbettzimmer gibt es ab etwa 10 Euro pro Nacht, oft inklusive Frühstück. Viele Unterkünfte haben Gemeinschaftsbereiche mit Hängematten, Küchen zur Selbstversorgung und organisieren gemeinsame Aktivitäten.
Wer mehr Privatsphäre möchte, findet in Getsemaní auch kleine Gästehäuser mit Einzelzimmern ab etwa 20-25 Euro. Diese familiär geführten Unterkünfte bieten oft das authentischste Erlebnis und die Gastgeber geben gerne Tipps abseits der üblichen Touristenpfade.
Essen und Trinken ohne das Budget zu sprengen
Die touristische Altstadt kann teuer sein, aber schon wenige Straßen weiter zahlt man Lokalpreise. In Getsemaní findet man kleine Imbisse, wo ein komplettes Menü mit Suppe, Hauptgericht, Saft und Kaffee etwa 3-4 Euro kostet. Diese „Menú del Día“ Angebote sind mittags die beste Wahl für Budgetreisende.
Auf dem Mercado Bazurto, dem zentralen Markt, pulsiert das echte Leben von Cartagena. Hier kaufen Einheimische ein, und die Essenstände bieten authentische Küche zu unschlagbaren Preisen. Eine Portion Arepas de Huevo – mit Ei gefüllte frittierte Maisfladen – kostet etwa einen Euro. Der Markt ist chaotisch und laut, aber genau das macht seinen Charme aus.
Straßenverkäufer prägen das Stadtbild: Frauen balancieren große Schüsseln mit tropischen Früchten auf dem Kopf, Männer schieben Karren mit frischen Säften. Ein großer Becher frisch gepresster Saft aus Mango, Papaya oder Maracuja kostet etwa 1,50 Euro und erfrischt perfekt in der Mittagshitze.
Abends verwandelt sich der Plaza de la Trinidad in Getsemaní in einen informellen Treffpunkt. Kleine Stände verkaufen Bier zu lokalen Preisen – etwa 1,50 Euro für eine Flasche – und die entspannte Stimmung macht es leicht, mit anderen ins Gespräch zu kommen. Als Alleinreisender ist dies einer der besten Orte, um Kontakte zu knüpfen.
Sicherheit und praktische Hinweise
Cartagena gilt als relativ sicher für Alleinreisende, dennoch sollte man die üblichen Vorsichtsmaßnahmen beachten. In der Altstadt und Getsemaní kann man sich auch abends gut zu Fuß bewegen, wobei man besser beleuchtete Straßen bevorzugen sollte. Wertgegenstände trägt man am besten nah am Körper, und teure Kameras oder Schmuck zieht man in weniger touristischen Gegenden besser nicht zur Schau.
Der Januar bringt perfektes Wetter, aber auch mehr Besucher. Wer flexibel ist, findet trotzdem günstige Unterkünfte – am besten einige Tage im Voraus buchen. Die Stadt ist nie überlaufen im europäischen Sinne, und selbst in der Hochsaison findet man ruhige Ecken.
Ein kleiner Spanisch-Grundwortschatz öffnet viele Türen. Außerhalb der Touristenzonen sprechen wenige Menschen Englisch, aber die Kolumbianer sind geduldig und hilfsbereit. Als Alleinreisender bietet dies sogar Vorteile: Man ist gezwungen, mehr zu interagieren und taucht tiefer in die Kultur ein.
Cartagena im Januar ist mehr als nur ein Reiseziel – es ist eine Erfahrung, die alle Sinne anspricht. Die Mischung aus kolonialer Pracht und karibischer Lebensfreude, aus Geschichte und Moderne, aus Tourismus und Authentizität macht diese Stadt einzigartig. Für Alleinreisende mit begrenztem Budget bietet sie die perfekte Bühne für unvergessliche Erlebnisse, spontane Begegnungen und die Freiheit, jeden Tag nach eigenem Rhythmus zu gestalten.
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