Bevor Sie diese Woche Pfirsiche kaufen: Der versteckte Hinweis, den 9 von 10 Käufern übersehen

Pfirsiche gehören im Sommer zu den beliebtesten Obstsorten in deutschen Supermärkten. Saftig, aromatisch und vermeintlich gesund – so präsentieren sich die Früchte in den Regalen von Edeka, REWE und Aldi. Doch ein genauer Blick auf die Kennzeichnung offenbart ein Problem, das vielen Verbrauchern nicht bewusst ist: Die tatsächliche Herkunft der Pfirsiche aus Spanien, Italien oder Griechenland bleibt oft im Dunkeln, insbesondere wenn verlockende Rabatte und Sonderangebote die Aufmerksamkeit auf sich ziehen.

Das Ablenkungsmanöver mit Prozenten und Preisschildern

Große, leuchtend rote Preisschilder mit „30% reduziert“ oder „Nur heute: 1,99 Euro statt 2,99 Euro“ ziehen die Blicke magisch an. Was in diesem Moment in den Hintergrund rückt, ist die Frage nach der Herkunft der angebotenen Früchte. Während die Rabattinformationen großformatig und in Signalfarben präsentiert werden, versteckt sich die Herkunftsangabe häufig in kleiner Schrift auf einem Nebenetikett oder auf der Rückseite der Verpackung.

Diese bewusste Gewichtung der Informationen folgt einer klaren Verkaufsstrategie. Tatsächlich lagen die Großhandelspreise für Pfirsiche im Juni 2025 mit durchschnittlich 1,98 Euro pro Kilogramm rund 26 Prozent über dem Fünf-Jahres-Durchschnitt. Rabattaktionen finden also in einem Kontext steigender Basispreise statt, was die Frage nach der tatsächlichen Ersparnis zusätzlich relevant macht.

Warum die Herkunft bei Pfirsichen so wichtig ist

Die Herkunft von Pfirsichen hat direkten Einfluss auf mehrere Faktoren, die für bewusste Verbraucher relevant sind. Ein Pfirsich aus Spanien oder Italien hat eine deutlich bessere CO2-Bilanz als einer aus Übersee. Die Transportdauer beeinflusst zudem die Frische und den Erntezeitpunkt. Pfirsiche, die für lange Transportwege gezüchtet wurden, werden oft unreif geerntet und entwickeln nicht das volle Aroma von Früchten, die in Verbrauchernähe angebaut werden.

Früchte aus dem nahen Mittelmeerraum können reifer geerntet werden als solche, die weite Strecken zurücklegen müssen. Dieser Unterschied ist nicht nur theoretisch – er zeigt sich ganz konkret beim ersten Biss. Wer einmal einen vollreifen italienischen Pfirsich direkt vom Markt probiert hat, weiß genau, wovon hier die Rede ist.

Wo unsere Pfirsiche wirklich herkommen

Die allermeisten Pfirsiche und Nektarinen in deutschen Supermärkten stammen aus dem Mittelmeerraum. Spanien ist dabei mit über 50 Prozent das wichtigste Lieferland, gefolgt von Italien, Griechenland und Frankreich. Während Italien als Lieferant in den letzten Jahren etwas an Bedeutung verloren hat, bleibt Spanien unangefochtener Hauptlieferant für den deutschen Markt.

Diese geografische Nähe ist grundsätzlich positiv für Frische und Umweltbilanz. Dennoch bleibt die konkrete Herkunftsangabe oft unklar, wenn die Information zwischen Rabattschildern und Qualitätsklassen untergeht. Besonders in den Sommermonaten, wenn die Nachfrage nach saftigem Steinobst ihren Höhepunkt erreicht, stapeln sich die Kisten mit Aktionsware – doch die kleine Herkunftsangabe verschwindet zwischen all den Prozentzeichen.

Rechtliche Grauzonen und deren Ausnutzung

Grundsätzlich besteht in der EU eine Kennzeichnungspflicht für die Herkunft von frischem Obst und Gemüse. Diese Vorgabe wird formal meist eingehalten – allerdings auf eine Weise, die dem Verbraucher nicht wirklich weiterhilft. Formulierungen wie „Klasse I“ oder „Kategorie A“ nehmen auf Preisschildern oft mehr Raum ein als die tatsächliche Herkunftsangabe.

Besonders problematisch wird es bei Mischungen oder wenn die Herkunft häufig wechselt. Einige Händler nutzen dann schwammige Angaben wie „verschiedene EU- und Nicht-EU-Länder“ oder platzieren nur ein kleines Länderkürzel, das ohne Lupe kaum lesbar ist. Bei Aktionsware mit kurzer Verkaufsdauer fällt diese Intransparenz besonders ins Gewicht, da Verbraucher unter Zeitdruck schnelle Kaufentscheidungen treffen.

Wie Discounter und Supermärkte die Aufmerksamkeit steuern

Die Gestaltung der Verkaufsräume folgt wissenschaftlich fundierten Prinzipien der Konsumentenpsychologie. Aktionsware wird so präsentiert, dass der Fokus auf dem vermeintlichen Schnäppchen liegt. Große Mengen, Pyramiden aus Obstkisten und die bereits erwähnten auffälligen Preisschilder erzeugen einen Kaufimpuls, der rationale Überlegungen in den Hintergrund drängt.

Die Herkunftsinformation wird dabei nicht komplett verschwiegen – das wäre illegal – aber so platziert, dass sie im Kaufprozess keine Rolle spielt. Während bei teureren Premiumprodukten die regionale oder besonders kontrollierte Herkunft als Verkaufsargument herausgestellt wird, verschwindet diese Information bei Discountware hinter Rabattversprechen. Man könnte fast meinen, die Schilder seien absichtlich so gestaltet, dass das Auge automatisch zum Preis wandert und nirgendwo anders hinschaut.

Praktische Tipps für mehr Transparenz beim Pfirsichkauf

Verbraucher sind diesem System nicht hilflos ausgeliefert. Mit einigen bewussten Strategien lässt sich die tatsächliche Herkunft auch bei Aktionsware herausfinden. Gerade bei Sonderangeboten lohnt es sich, einen Moment innezuhalten und gezielt nach der Herkunftsangabe zu suchen. Diese findet sich meist auf einem separaten Etikett an der Kiste oder auf den einzelnen Früchten.

Die europäische Pfirsichsaison beginnt bereits Anfang Juni mit den ersten französischen Ernten und reicht bis in den September hinein. In Deutschland liegt die Hauptsaison zwischen Juli und September. Früchte außerhalb dieses Zeitraums stammen zwangsläufig aus fernen Regionen oder beheizten Gewächshäusern. Ein günstiger Preis im März deutet auf lange Transportwege oder mehrfaches Umlagern hin.

Mitarbeiter in der Obst- und Gemüseabteilung können Auskunft über die Herkunft geben. Diese Nachfragen signalisieren zudem den Händlern, dass Verbraucher Wert auf Transparenz legen. Die Herkunftsangabe ist gesetzlich vorgeschrieben und muss irgendwo zu finden sein. Oft befindet sie sich auf kleinen Schildern an der Obstkiste oder auf Aufklebern an den einzelnen Früchten. Wer systematisch danach sucht, findet sie auch.

Wenn der Preis zum Qualitätsmerkmal wird – oder auch nicht

Ein weit verbreiteter Irrtum lautet: „Was günstig ist, kann nicht gut sein.“ Doch diese Regel greift bei Obst zu kurz. Pfirsiche aus nahegelegenen Anbaugebieten können durchaus günstig sein, wenn gerade Haupterntezeit herrscht und das Angebot die Nachfrage übersteigt. Umgekehrt garantiert ein hoher Preis keine kurzen Transportwege oder bessere Anbaubedingungen.

Das Problem liegt vielmehr in der fehlenden Transparenz: Ohne klare Herkunftsangabe können Verbraucher nicht beurteilen, ob der Preis angemessen ist oder ob durch Verschleierung minderwertiger Ursprünge Gewinnmargen maximiert werden. Ein Pfirsich aus Spanien zur Hochsaison kann qualitativ hervorragend und gleichzeitig preiswert sein – aber nur wenn man weiß, woher er stammt.

Die Verantwortung liegt auf mehreren Schultern

Verbraucherschützer fordern seit Jahren eine klarere und prominentere Kennzeichnung der Produktherkunft. Während sich die gesetzlichen Anforderungen langsam verschärfen, bleibt die Umsetzung in der Praxis oft hinter den Erwartungen zurück. Kontrollen finden statt, aber die Sanktionen bei Verstößen sind gering im Verhältnis zu den Gewinnmargen im Lebensmittelhandel.

Gleichzeitig wächst das Bewusstsein bei Verbrauchern. Initiativen für regionale Lebensmittel, Wochenmärkte als Alternative zu Supermärkten und Transparenz-Apps gewinnen an Bedeutung. Dieser Druck von unten könnte mittelfristig effektiver sein als regulatorische Maßnahmen. Je mehr Menschen nachfragen, desto stärker müssen Händler reagieren.

Was die Verschleierung über das System aussagt

Die Tatsache, dass Herkunftsinformationen systematisch in den Hintergrund gerückt werden, offenbart ein grundsätzliches Problem im modernen Lebensmittelhandel: Der Fokus liegt auf Preis und Verfügbarkeit, nicht auf Qualität und Nachhaltigkeit. Solange Verbraucher primär über Rabatte angesprochen werden, bleibt wenig Raum für differenzierte Kaufentscheidungen.

Pfirsiche sind dabei nur ein Beispiel von vielen. Das Muster wiederholt sich bei zahlreichen frischen Produkten. Die Verschleierung beginnt bereits bei der Produktplatzierung, setzt sich fort in der Gestaltung der Preisschilder und endet in einer Informationsarchitektur, die bewusst Barrieren aufbaut.

Wer beim nächsten Einkauf vor dem Pfirsich-Angebot steht, sollte sich einen Moment Zeit nehmen. Die Information über die Herkunft steht jedem Verbraucher zu – man muss nur gezielt danach suchen. Ein Blick auf das Etikett verrät, ob die Frucht aus dem nahen Spanien oder Italien stammt oder ob sie einen deutlich längeren Weg hinter sich hat. Diese wenigen Sekunden können den Unterschied zwischen einer bewussten Kaufentscheidung und einem reinen Impulskauf ausmachen.

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